Die Frontbreite betrug ca. 13,4 Meter. Die Fleischschirn, das Schlachthaus der Jüdischen Gemeinde, befand sich auf einem größeren Gelände südwestlich außerhalb der Gasse. Seit dem Jahre 1628 standen dort das Schlachthaus und zwei Schirnen. "Schirn" war im alten Frankfurt die Bezeichnung für offene Verkaufsstände. In diesen Gebäuden führten die Schächter die rituelle Schlachtung durch und versorgten die Jüdinnen und Juden in der Gasse mit koscherem Fleisch. In einem Gebäudeteil, der Haus zum Rad hieß, befanden sich auch Wohnungen, in denen Metzger lebten. Der gesamte Gebäudekomplex hatte eine Frontbreite von ca. 13,4 Meter und war damit sehr viel größer als die Wohnhäuser in der Gasse. Die Gebäude waren Eigentum der Jüdischen Gemeinde. Ein weiteres Schlachthaus für Federvieh gab es außerhalb der Gasse auf der östlichen Seite am Rande des Jüdischen Friedhofs. Bei dem großen Brand von 1711 brannten auch das Schlachthaus und die Fleischschirnen ab. Sie wurden danach in veränderter Form wiederaufgebaut. Später genügten sie den geänderten Hygieneanforderungen nicht mehr. Deshalb wurden sie um 1820 auf die gegenüberliegende Seite östlich außerhalb der Gasse verlegt, wo zuvor nur Stallungen gestanden hatten. Grundstück Teil des Judenmarktes, ab 1885 Börneplatz, 1935-1978 Dominikanerplatz, heute Kurt-Schumacher-Straße 10. Der Neubau auf der östlichen Seite nach 1881 abgebrochen, wohl im Zusammenhang mit dem Bau der Börneplatz-Synagoge (Einweihung 1882).
Schlachthaus und Fleischschirn
Judengasse 95-97