Haus Weiße Rose

Judengasse 191 / Bornheimer Straße 16 / Börnestraße 56

12 April 2023

Die Frontbreite ist unbekannt. Die Weiße Rose ist für die Baugeschichte der Judengasse eines der interessantesten Häuser. Es wurde schon bei der Errichtung des Ghettos 1460/62 erbaut und war damit eines der ältesten Häuser in der Gasse. Anfänglich gehörte der ganze Nordteil der Gasse zu seinem Gelände. Durch eine Reihe von Gelände- und Hausaufteilungen und -abspaltungen, wie sie in der gesamten Gasse üblich waren, wurde dieses Grundstück allmählich baulich stark verdichtet. Am Ende war jene Enge erreicht, die für das Frankfurter Ghetto im 17. und 18. Jahrhundert so charakteristisch war. Man kann also sagen, dass alle Häuser am nördlichen Gassenende auf beiden Seiten letztlich von der Weißen Rose "abstammen". Dieses Stammhaus sämtlicher Nordgassenhäuser war im Zuge der baulichen Verdichtung selbst zu einer Art Hinterhaus geworden. 1592 hatte man auf den freien Platz, der zwischen ihm und der Gasse gelegen war, die Häuser Roseneck und Rosenkranz erbaut. Jetzt war es von der Gasse aus nur noch durch einen knapp 1,30 Meter breiten Zugang zu erreichen. Im Haus Weiße Rose ließ sich keine bestimmte Familie dauerhaft nieder. Vielmehr ist eine außergewöhnlich hohe Fluktuation seiner Bewohner*innen feststellbar.

Bei den großen Bränden in der Judengasse in den Jahren 1711, 1721 und 1796 wurde das Haus Weiße Rose dreimal zerstört. Während es nach den beiden ersten Bränden wiederaufgebaut wurde, entschied man sich nach dem Brand von 1796 für eine großzügige Neugestaltung des gesamten nördlichen Gassenareals. Das Haus verschwand dabei endgültig aus dem Frankfurter Stadtbild.

Das Grundstück der Vorderhäuser Judengasse 189-194 wurde 1809 von den Brüdern Amschel Mayer Rothschild, Salomon Mayer Rothschild und Carl Mayer Rothschild erworben. Sie errichteten dort ein repräsentatives Bankgebäude in klassizistischem Stil (Haus Nr. B I). 1847 in Bornheimer Straße 16, 1885 in Börnestraße 56 umbenannt. Haupteingang und Firmenadresse: Fahrgasse 146. 1944 zerstört. Heute Konstablerwache vor Zeil 57.

Zwischen 1922 und seiner gewaltsamen Zerstörung in der Pogromnacht des 9. auf den 10. November 1938 befand sich hier das frühere Jüdische Museum.

Das Grundstück der Hinterhäuser Judengasse 186-192 wurde 1809 von Benedikt Aron May erworben und in klassizistischem Stil neu bebaut (Haus Nr. B XIV+XV); 1847 in Allerheiligenstraße 89 umbenannt; 1944 zerstört; heute Konstablerwache vor Zeil 53.