Haus Weiße Kanne

Judengasse 173 / Bornheimer Straße 4 / Börnestraße 44 / Allerheiligenstraße 79

12 April 2023

Das Haus (Weiße) Kanne gehörte zu den wenigen Häusern, die schon bei Einrichtung der Judengasse 1462 erbaut worden sind. Es war damit eines der ältesten Häuser in der Gasse. Damals hatte es die stattliche Breite von ca. 12 Metern. Später wurde es in drei Häuser aufgeteilt. Das Haus, zu dem auch ein Hinterhaus gehörte, diente zahlreichen Familien für kürzere oder längere Zeit als Wohnung. Zeitweise lebten hier sieben Familien mit über 40 Personen zusammen. Der soziale Status dieser Familien war offenbar recht unterschiedlich. Neben einfachen Krämern, Hausierern und Kleiderhändlern wohnten hier sehr wohlhabende Familien, die sich in Wechselgeschäften und im Silberhandel betätigten.

Mit dem Haus Kann ist vor allem auch die mächtige und reiche Familie Kann eng verbunden. Sie lebte hier vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Ende der Gassenzeit, hat sich allerdings auch über andere Häuser der Gasse verteilt. Vermutlich wohnte hier auch Bär Löw Isaak Kann. Kann hatte Mitte des 18. Jahrhundert einen beherrschenden Einfluß in der Jüdischen Gemeinde erlangt und damit eine starke Opposition gegen sich provoziert. Die daraus entstandenen Machtkämpfe sind als Kulp-Kannsche Wirren in die Geschichte der Frankfurter Jüdinnen und Juden eingegangen.

Bei den großen Bränden in der Judengasse in den Jahren 1711, 1721 und 1796 wurde das Haus (Weiße) Kanne dreimal zerstört. Während es nach den beiden ersten Bränden wiederaufgebaut wurde, entschied man sich nach dem Brand von 1796 für eine großzügige Neugestaltung des gesamten nördlichen Gassenareals. Das Haus verschwand dabei endgültig aus dem Frankfurter Stadtbild.

Das Grundstück der Vorderhäuser Judengasse 169-173 wurde 1809 von Hayum Schuster erworben und in klassizistischem Stil neu bebaut (Haus Nr. B VII). 1847 in Bornheimer Straße 4, 1885 in Börnestraße 44 umbenannt; 1944 zerstört. Neubebauung auf verändertem Grundriss als Haus An der Staufenmauer 14.

Das Grundstück der Hinterhäuser Judengasse 172-173 wurde 1809 von Mayer Salomon Goldschmidt erworben und in klassizistischem Stil neu bebaut (Haus Nr. B IX); 1847 in Allerheiligenstraße 79 umbenannt; 1944 zerstört; heute Kurt-Schumacher-Straße 45 / Zeil 51.