Haus Roseneck

Judengasse 192 / Bornheimer Straße 16 / Börnestraße 56

12 April 2023

Die Frontbreite betrug ca. 4,55 Meter. Das Haus Roseneck wurde im Jahre 1592 erbaut. Es stand auf einem Gelände, das vom Nachbarhaus Weiße Rose abgeteilt worden war. Der Hausname Rosen-Eck ergab sich einerseits aus der ehemaligen Zugehörigkeit zum Haus Weiße Rose, andererseits aus dem Umstand, dass das Haus vor dem großen Gassenbrand 1711 mit einer "Ecke" in den Verlauf der Gasse hineinragte. In den zweihundert Jahren seines Bestehens wohnten mehrere Familien in dem Haus. Die wichtigste unter ihnen war die einflussreiche Familie Kulp. Für sie war das Haus Roseneck mehr oder weniger das Stammhaus. Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sie einen erbitterten Machtkampf innerhalb der Jüdischen Gemeinde gegen die reiche Familie Kann geführt, der unter der Bezeichnung Kulp-Kannsche Wirren in die Frankfurter Stadtgeschichte eingegangen ist. Wie wohlhabend die Familie Kulp war, zeigt sich an der Großzügigkeit ihrer Haushaltsführung. So beschäftigte die Familie des Moses Kulp im Roseneck 1709 einen Diener und drei Mägde, was in der Judengasse eine ungewöhnlich große Zahl an Gesinde war. Mitte des 18. Jahrhunderts lebte hier Mayer Amschel Flörsheim, eine der schillerndsten Persönlichkeiten unter Frankfurts Jüdinnen und Juden.

Bei den großen Bränden in der Judengasse in den Jahren 1711, 1721 und 1796 wurde das Haus Roseneck dreimal zerstört. Während es nach den beiden ersten Bränden wiederaufgebaut wurde, entschied man sich nach dem Brand von 1796 für eine großzügige Neugestaltung des gesamten nördlichen Gassenareals. Das Haus verschwand dabei endgültig aus dem Frankfurter Stadtbild.

Das Grundstück der Vorderhäuser Judengasse 189-194 wurde 1809 von den Brüdern Amschel Mayer Rothschild, Salomon Mayer Rothschild und Carl Mayer Rothschild erworben. Sie errichteten dort ein repräsentatives Bankgebäude in klassizistischem Stil (Haus Nr. B I). 1847 in Bornheimer Straße 16, 1885 in Börnestraße 56 umbenannt. Haupteingang und Firmenadresse: Fahrgasse 146. 1944 zerstört. Heute Konstablerwache vor Zeil 57.

Zwischen 1922 und seiner gewaltsamen Zerstörung in der Pogromnacht des 9. auf den 10. November 1938 befand sich hier das frühere Jüdische Museum.

Das Grundstück der Hinterhäuser Judengasse 186-192 wurde 1809 von Benedikt Aron May erworben und in klassizistischem Stil neu bebaut (Haus Nr. B XIV+XV); 1847 in Allerheiligenstraße 89 umbenannt; 1944 zerstört; heute Konstablerwache vor Zeil 53.