Haus Einhorn

Judengasse 155 / Börnestraße 30

12 April 2023

Die Frontbreite betrug ca. 4,30 Meter. Das Haus Einhorn wurde im ausgehenden 15. oder in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts als Eckhaus an jener kleinen Seitengasse, die bei der Synagoge von der Judengasse abbog, erbaut. Es war offenbar eines der wohlhabendsten Häuser. Die Bewohner*innen entstammten unter anderem der reichen Familie Beer, die von der bedeutenden Familie Haas abstammte und verwandt war mit der ebenfalls reichen und mächtigen Familie Kann. Aus den Visitationslisten geht hervor, dass ein Teil der Bewohner*innen um 1700 von Renten, also von Vermögen, leben konnten. Kurze Zeit später wiederum lässt sich ein Juwelenhandel nachweisen. Der Haushalt des Emmanuel Beer schließlich war so vornehm, dass er sich 1709 einen Diener und drei Mägde leisten konnte. Dies war in der Judengasse eine verhältnismäßig hohe Gesindezahl. Bei dem großen Brand in der Judengasse im Jahre 1711 wurde das Haus Einhorn zerstört und anschließend wiederaufgebaut. Das Haus war danach eines der prachtvollsten Gebäude der Judengasse. Auffällig waren der mit einem schmiedeeisernen Gitter versehene Erker zur Synagoge hin und die mit Masken verzierten Tragsteine des Obergeschosses zur Gasse hin. 1864 befand sich hier das beliebte Kaffeehaus von Joseph Levy. Im Jahre 1883 wurde das Haus von der Stadt übernommen und abgebrochen. 1894 Neubau Börnestraße 30 (1935-1945 Großer Wollgraben 30), 1944 zerstört, Westteil heute Durchgang Kurt-Schumacher-Straße / An der Staufenmauer, überwiegend Straße vor Kurt-Schumacher-Straße 37.